Notzingen - Trakehnen (Jasnaja - Poljana)

Geschichte einer Beziehung


Herr Eberbach berichtet über die Entstehung dieser Beziehung:


In den Osterferien 1993, in meinem letzten Dienstjahr, machte ich eine touristische Busreise in den "Oblast Kaliningrad" − auf Deutsch: in das nördliche, nun russische Ostpreußen.
Es bewegte misch sehr zu sehen, dass dies Land, gerade auch die Hauptstadt Königsberg/Kaliningrad noch so aussahen wie Deutschland im Jahr 1945.

Etwas später erfuhr ich, dass ein deutscher Verein Deutschlehrer für den Deutschunterricht in diesem Gebiet suche.
Ich meldete mich, denn ich war ja ab August in "wohlverdienten Ruhestand" und fuhr dann im Herbst zum ersten Mal nach Trakehnen (Jasnaja Poljana) zum Unterricht.
Seitdem war ich jedes Jahr ein bis zweimal dort.

Meine Schülerinnen (Jungen kamen nur sehr wenig, Männer praktisch nie) waren interessierte Russinnen und Russlanddeutsche (diese sind in der Zwischenzeit fast alle in die Bundesrepublik weiter gezogen) − die ursprünglich rein deutsche Bevölkerung war teils 1945 geflohen, teils bei der Flucht und Besetzung umgekommen, nur ganz wenige "echte" Ostpreußen leben noch dort, heute ist mir nur noch einer bekannt.

In Trakehnen hatten einige Russlanddeutsche eine kleine evangelische Gemeinde begündet und ich schloss mich dieser Gemeinde an. Sie wurde (wie die anderen "Kleingemeinden") von der ev.−lutherischen Gemeinde in Gumbinnen (Gusev) betreut, wo auch ein ("bundesdeutscher") ev. Pfarrer war und ist.

Ich habe hier in Notzingen über die Arbeit dort berichtet und bekam viel Hilfe von einzelnen Notzingern, aber auch von der ev. Kirschengemeinde, es war üblich, das mindestens ein bis zweimal im Jahr das Gottesdienstopfer für Trakehnen bzw. Gumbinnen bestimmt war.

Es ist vor allem Herrn Steigk zu verdanken, dass schon zweimal der Ertrag des Notzinger Weihnachtsmarktes für Trakehnen bestimmt wurde, das ermöglichte Hilfe auch in größerem Stil − und Notzinger wurden führ viele Bewohner des Dorfes Trakehnen ein Begriff.

Heute ist es − nach der Abwanderung der meisten Russlanddeutschen − nur eine kleine Gruppe von russischen Frauen in Trakehnen, denen der Pfarrer von Gumbinnen oder seine Frau (ist auch Theologin) einmal im Monat einen Gottesdienst im Wohnzimmer einer Wohnung hält. In Gumbinnen ist jeder Tag eine Andacht und jeden Sonntag Gottesdienst, es werden acht "Filialgemeinden" (wie auch Trakehnen) betreut.
Ich unterrichte heute dort nicht mehr, ich bin zu alt, aber die Verbindung habe ich behalten und ich freue mich, dass Familie Aldinger diese Tradition fortführt.
Es ist ja eine Busfahrt mit 41 Teilnehmern organisiert worden und nun kam ja auch eine kleine Gruppe von 7 Leuten nach Notzingen zu Besuch und ich hoffe, dass wir die geistliche Verbindung mit dieser Gemeinde und den Menschen, die sich zur ev. Kirche bekennen, aufrecht erhalten können.